Innenrenovation: Historische Villa in neuem Licht

Die Erneuerung dieser Winterthurer Stadtvilla bewahrt historische Qualitäten und schafft zugleich helle, zeitgemässe Räume – mit Respekt für Material, Geschichte und Atmosphäre.
Herausforderung
Bijoux mit Qualität und Geschichte
Die Stadtvilla an der Rychenbergstrasse wurde um 1900 von den renommierten Winterthurer Architekten Bridler und Jung entworfen. Fischgratparkett, üppige Stuckaturen und fein gearbeitete Holzdetails – der repräsentative Bau erzählt bis heute von einer Epoche, in der Grosszügigkeit, aufwändiges Handwerk und Materialqualität selbstverständlich waren.
Dunkles Holz – veraltete Küche und Bad
Nach mehreren Umbauten und einer internen Weitergabe innerhalb der Familie stand eine umfassende Innenrenovation an. Die historische Substanz sollte erhalten bleiben, das Haus aber offener und einladender wirken.
Ein zentrales Thema war der Umgang mit dem dominanten Nussbaum, der den Innenräumen über Jahrzehnte hinweg eine dunkle Anmutung verliehen hatte. Ziel war es nicht, dieses prägende Material zu entfernen, sondern seine Wirkung neu zu justieren: weniger Schwere, mehr Leichtigkeit, gleichviel Charakter.
Gleichzeitig sollten Küche und Bad technisch und ästhetisch an heutige Anforderungen angepasst werden. Besonders das Badezimmer stellte eine Herausforderung dar: Die Wasserleitungen sollten vollständig erneuert werden, die historischen Metrofliesen aber zwingend erhalten bleiben.
Vorgehen
Licht, Offenheit und ein Hauch Mittelmeer
Durch das Entfernen zweier Wände ist eine neue Verbindung zwischen Küche und Wohnzimmer sowie ein Weg für das Tageslicht entstanden, das bis tief in den Raum flutet.
In der Küche bildet das im Kaminzug integrierte Cheminée einen ruhigen Mittelpunkt, während mediterran inspirierte Terrazzo-Platten lebendige Akzente setzen.
Im Wohnzimmer wurde die hochwertige Nussbaum-Täferung hell gestrichen. Der Nussbaum verschwindet damit nicht, sondern tritt lediglich etwas zurück. In den Küchenfronten sowie im Bad und WC erhielt er dafür eine neue, angenehme Präsenz als Gegengewicht zu den hellen Flächen und klaren Linien.
Poetische Ästhetik
Im Bad erzählen die originalen Metrofliesen weiterhin von längst vergangenen Zeiten. Die Dusche ergänzt das Ensemble mit marokkanischer Handkeramik im rautenförmigen Design – ein weiterer subtiler Verweis auf den Mittelmeerraum. Goldfarbene Armaturen und ein retroinspiriertes Nussbaummöbel runden das Bild ab.
Neue Tapeten und Wandgestaltungen greifen historische und natürliche Motive auf spielerische Weise auf und schaffen im Zusammenspiel mit Stuckaturen, Parkett und Holzdetails eine inspirierende, poetische Atmosphäre.
Wirkung
Wohnen im Dialog der Zeiten
Die weit über 100-jährige Villa zeigt sich heute hell, freundlich und offen für eine neue Familiengeneration. Der Umbau hat einen neuen würdigenden Blick auf ihre Geschichte eröffnet und vereint moderne Elemente und historische Materialien zu einem ausgewogenen Ganzen, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart selbstverständlich begegnen. So ist ein Zuhause mit einzigartigem Charme entstanden: kultiviert, verspielt und lichtdurchflutet.
Bauherrschaft: privat
Auftrag: direkt
Fertigstellung: 2024
Fotografie: Michael Haug


















